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Sonntag, 1. Mai 2016

Mein Leben erbebt und macht eine Kehrtwende

Seit dem Erdbeben sind es jetzt zwei Wochen und seitdem ist soviel passiert und hat sich so viel verändert, und jetzt habe ich endlich die Zeit gefunden, euch einmal upzudaten!

Nach dem Erdbeben sind wir aus dem zerstörten Haus ausgezogen, in ein anderes Haus, was meiner Gastfamilie gehörte und leerstand, dem zum Glück nichts passiert ist. Dort lebten wir dann eine Woche ohne Strom und fließendes Wasser, da beide Leitungen beim Erbeben beschädigt wurden, und wir im am meisten betroffenen Teil der Stadt lebten. Also blieb uns nichts anderes übrig als und im Kerzenschein mit Eimern mit Wasser aus einer Zisterne zu duschen... Während dieser Zeit lud ich mich immer wieder bei meinem besten Freund ein, der in einem anderen Stadtteil lebt und Wasser, Strom und Internet hatte. Da das Haus aber ziemlich alt, dreckig und ungemütlich war, und das deprimierte uns und mein Bruder besorgt um die Gesundheit seiner Kinder war (es fing an zu strinken in dem Stadtviertel) machten wir uns im Pickup einer Verwandten tagelang auf die Suche nach einem anderen Haus, dass meine Familie mieten wollte, bis das andere Haus wieder aufgebaut ist. Mit großer Mühe fanden wir schließlich eine viel zu teures, in das wir dann mit viel Hilfe von Freunden meiner Gasteltern umzogen.

Bei fast jedem Freund, jedem Bekannten, mit dem man sich unterhält die Fragen: Und, wo hat es dich erwischt? Was hast du gerade gemacht in dem Moment? Und deine Familie? Und dein Haus? Ist jemand gestorben, den du kannstest? Und dann immer wieder mein Blick auf den Boden und meine Antwort: Ja, eine andere Austauschschülerin, die ich kannte. Zusammen mit der ganzen Gastfamilie, die ich ebenfalls kannte.

Eine Woche nach dem Erbeben verkündete mir mein Area Rep, dass in drei Tagen mein Flug nach Quito gehen würde. Widerspruch zwecklos. Die Tickets waren schon gekauft. Alle Austauschschüler aus Manta und Portoviejo, den Städten im am stärksten betroffenen Gebiet, musssten weg. Mit der Begründung dass es dort jetzt zu gefährlich werden würde. (Die stärksten Schäden gab es in meiner Heimatprovinz, Manabi, wo das Epizentrum lag. Die Bergregion wurde fast komplett verschont.) Ich wollte auf keinen Fall weg, denn in Manta war einfach alles, meine Familie, meine Freunde, mein Zuhause. Auch wenn jetzt durch diese Kriese gebeugt, war Manta immer noch wunderschön und ich sah die Gefahr nicht. Ich versuchte das Mögliche, doch mir blieb nichts anderes übrig als mit Tränen in den Augen zu gehen, und all diese liebgewonnenen Menschen zurück zu lassen. Es fühlte sich irgendwie feige an, einfach so zu gehen. Ungerecht. Auch wenn es nicht meine Entscheidung war. Ein Anruf, eine E-Mail, ein Flug und ich wachte in einer heilen Welt auf. Aber meine Familie, meine Freunde? Die befanden sich immer noch in der angeblichen Gefahr, in einer kaputten Stadt, in einem für immer veränderten Leben. Nur ich hatte das Privileg so zu leben, als wäre nichts passiert, nur wegen wer ich bin. Wer meine Eltern sind und wo sie herkommen. Einfach ungerecht.

Am Dienstag kam ich dann also in Quito, der weit von Manta entfernten Hauptstadt Ecuadors an, zusammen mit den anderen ATS aus Manta und Portoviejo. Dort empfingen uns die YFU Chefinnen des Büros in Quito, gingen mit uns frühstücken und versuchten mit uns, den vier Austauschschülerinnen, die das Erdbeben erlebt hatten, über das Geschehene zu reden. Doch keine von uns hatte mehr etwas zu sagen. Dann wurde ich von meiner neuen Gastmutter abgeholt. Eigentlich sollte ich in dieser Familie nur eine Nacht bleiben, bis meine eigentliche Familie von einer Reise zurück kam, doch wir verstanden uns so gut, dass sie mir am nächsten Morgen anboten, für die restlichen zwei Monate zu bleiben. Was ich liebend gerne annahm, denn jetzt habe ich zwei Geschwister in meinem Alter, während ich in der anderen Familie zwei kleine Kinder als Geschwister gehabt hätte.

Meine Geschwister, eine Schwester und ein Bruder, besuchen die selbe Schule wie ich, eine ziemlich teure Privatschule, die mich nach einem Bewerbungsgespräch aber für 20 Prozent des Preises angenommen hat. Der Erdbebenopferaustauschschülerbonus. Am Freitag war mein erster Schultag und ich muss sagen, dass ich verstehe, warum die Eltern 500 Dollar monatlich bezahlen. Die Hälfte der Fächer wird auf Englisch unterrichtet und die Englischlehrer können auch tatsächlich Englisch. Der Unterricht ist auf einem ganz anderem Niveau. Immer noch kein deutsches, aber es nähert sich diesem an. Außerdem ein recht schönes Gebäude und es wird viel getan, damit die Schüler sich wohl fühlen. Zum Beispiel sind Handys erlaubt und im Pausenhof gibt es Wlan. Genauso ist Nagellack und Makeup erlaubt und man darf eine extra Jacke oder einen Schal zur Schuluniform anziehen (in Quito ist es wegen der Höhe verdammt kalt, aber die haben weder Heizungen noch isolierte Fenster. Seufz.) So kann man sich ein bisschen seine Comfort zone aufrecht erhalten.

Am Freitag abend, direkt nach meinem ersten Schultag, war eine Schulgala, die Wahl des Königs und der Königin der Schule. In einem in einem Hotel für tausende Dollar gemieteten Saal, mit Laufsteg, DJ, Fotografen und allem drum und dran. Ein krasser Kontrast zu dem sozialen Umfeld in Manta, in dem einfach keiner Geld für nichts hatte. Meine Familie nicht mal für Internet. Und jetzt bin ich auf einer teuren, qualitativ hochwertigen Schule, lebe in einer Gated Community, bei einer Familie die sogar Geld für Reisen nach Europa hat, ein Auto besitzt, und in der Wohnung habe ich ein eigenes Zimmer, mit eigenem Bad und ein Bett nur für mich alleine. In der Wohnung gibt es Parkettboden, Marmoroberflächen in der Küche und einen Flachbildfernseher mit Netflix. Ein Lebensstandart wie in Deutschland. Das hat mich am Anfang erst mal geschockt. Genauso wie die die Unterschiede zwischen Manta und Quito. Für die gibts aber irgendwann nochmal einen eigenen Blogeintrag.

Wie auch immer bin ich jetzt weg von der vermeintlichen Gefahr, in Sicherheit. Trotzdem bleibt die Nervosität. Denn die Nachbeben gehen weiter. Zwar nur leicht, aber die Angst ist da. Man weiß ja nie, ob es nicht doch noch ein stärkeres geben wird. In Quito spürt man die Nachbeben fast bis gar nicht, trotzdem setzt mein Herz jedes Mal einen Schlag aus, wenn jemand an den Tisch oder meinen Stuhl stößt. Mein Alptraum sind durchschwingende Böden, die erzittern, wenn jemand vorbei läuft. Wenn ich in einen Raum komme, suche ich immer als erstes nach den Stellen, an denen es am wahrscheinlichsten ist, zu überleben, falls das Haus einstürzt. Und nach von der Decke hängenden Lampen oder ähnlichem, an denen man sehen kann, ob das gerade wirklich ein Erdbeben oder nur die eigene Einbildung war. Manchmal machen mir all die Hochhäuser Quitos, und die Vorstellung, was passieren würde, wenn sie einstürzen würden, das Atmen schwer und bringen meine Handflächen zum Schwitzen. Genauso wie die Tatsache, dass mein Klassenzimmer sich ganz oben im vierten Stock befindet. Wenig Chance durch Rausrennen zu überleben.

Zum Schluss noch ein Satz, der mir beim Wäschewaschen in Manta in den Sinn gekommen ist, und den ich loswerden musste:
Die Flecken aus den Socken, die ich anhatte, als ich nach dem Erdbeben aus dem Haus über Trümmer rannte, lassen sich nicht auswaschen. Genauso wenig wie die Angst, die Trauer und die Erinnerungen an das Erlebte in den Herzen der Menschen. Doch mit der Zeit, mit jedem Waschgang, werden sie verblassen.

Kommentare:

  1. Das ist eine sehr bewegende Geschichte, Anna! Schön, dass es dir gut geht und dass du über all das Erlebte schreibst! Es tut mir leid, dass du das alles mitmachen musstest, bin froh, dass du das alles gut überstanden hast... Ich bin der Überzeugung, dass all diese Erfahrungen nicht um sonst sind und sie dich prägen werden und auf die Zukunft vorbereiten. Ich bin gespannt darauf, weiter von dir zu hören. Alles Gute, dir!

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